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SchweißNorm
Wissen

Schweißzertifikat: welcher Nachweis für welchen Auftrag

„Schweißzertifikat“ steht im Alltag für verschiedene Nachweise: das Zertifikat nach EN 1090-1 für tragende Bauteile, das Zertifikat nach ISO 3834 über die Qualitätsanforderungen beim Schweißen und die Prüfungsbescheinigung eines einzelnen Schweißers. Welcher gebraucht wird, entscheidet der Auftrag.

Betriebsnachweis oder Personennachweis

Ein Zertifikat über den Betrieb bestätigt, dass Organisation, Personal und Einrichtungen die Anforderungen einer Norm erfüllen. Ein Nachweis über eine Person bestätigt, dass ein Schweißer eine Prüfung bestanden hat. Beides hängt zusammen, ersetzt sich aber nicht: ISO 3834-2:2021 verlangt in Abschnitt 7.2, dass Schweißer und Bediener durch eine geeignete Prüfung qualifiziert sind — das Betriebszertifikat setzt die Personennachweise also voraus.

Schweißzertifikat nach EN 1090-1

EN 1090-1 legt die Anforderungen an den Konformitätsnachweis von Stahlbauteilen, Aluminiumbauteilen und Bausätzen fest, die als Bauprodukte in Verkehr gebracht werden (Abschnitt 1). Bei der Zertifizierung der werkseigenen Produktionskontrolle prüft die Stelle bei Schweißarbeiten, ob Werk und Schweißbetrieb die Anforderungen an Einrichtungen und Personal erfüllen. Das Schweißzertifikat sollte nach Tabelle B.1 (DIN EN 1090-1:2012-02) diese Angaben enthalten:

  • Geltungsbereich und anzuwendende Normen,
  • Ausführungsklasse(n),
  • Schweißprozesse,
  • Grundwerkstoff(e),
  • verantwortliche Schweißaufsicht nach ISO 14731,
  • gegebenenfalls Bemerkungen.

Die erste Überwachung findet ein Jahr nach der Erstinspektion statt. Für die Abstände der Überwachungen ab der Erstinspektion sieht Tabelle B.3 üblicherweise 1-2-3-3 Jahre für die Ausführungsklassen EXC1 und EXC2 und 1-1-2-3-3 Jahre für EXC3 und EXC4 vor. Die Inspektionen werden nur seltener, wenn keine wesentlichen Korrekturmaßnahmen nötig sind und keiner dieser Fälle eintritt: neue oder veränderte Produktionsanlagen, ein Wechsel der verantwortlichen Schweißaufsicht, neue Schweißprozesse oder Grundwerkstoffe mit zugehörigen WPQR oder neue wesentliche Produktionseinrichtungen (Abschnitt B.4.1).

Ausführlicher beschreibt ein eigener Beitrag, was EN 1090 von Stahl- und Metallbauern verlangt.

Zertifikat nach ISO 3834

Die Reihe ISO 3834 beschreibt Qualitätsanforderungen für das Schmelzschweißen in drei Stufen. Laut DVS ZERT dient sie unter anderem als Grundlage, um Normanforderungen in EN 1090-1 und EN 15085-2 zu erfüllen. Welche Stufe — Teil 2, Teil 3 oder Teil 4 — ein Auftrag verlangt, ergibt sich nach ISO 3834-1:2021, Abschnitt 5, aus Produktnorm, Spezifikation, Regelwerk oder Vertrag.

Den Ablauf beschreibt DVS ZERT so: optionales Vorgespräch, Antrag, optionales Voraudit, Systemaudit, Ausstellung des Zertifikats nach erfolgreichem Systemaudit, jährliche Überwachung per Fragebogen — bei wesentlichen Änderungen mit Audit vor Ort — und nach drei Jahren eine erneute Prüfung zur Verlängerung. Vorzulegen sind unter anderem Unterlagen zur Qualitätssicherung, qualifizierte Schweißverfahren (WPQR), Schweißanweisungen (WPS) sowie die Qualifikationen der Schweißer und Bediener.

Was die drei Stufen unterscheidet, zeigen die Beiträge zu ISO 3834-2 und ISO 3834-3.

Schweißerprüfung und Schweißaufsicht

Die Qualifikation des einzelnen Schweißers ist ein Personennachweis. Nach dem IIW-Leitfaden IAB-337 zur Anwendung von ISO 3834 werden Schweißer nach der Normenreihe ISO 9606 qualifiziert. Die Bescheinigung gehört zur geprüften Person, nicht zum Betrieb. Mehr dazu im Beitrag zur Schweißerprüfung im Stahlbau nach EN 1090.

Die Schweißaufsicht ist ebenfalls eine Personenfrage: Das Schweißzertifikat nach EN 1090-1 nennt die verantwortliche Schweißaufsicht, ihre Aufgaben und Kenntnisse regelt ISO 14731. Mehr dazu im Beitrag zur Schweißaufsicht nach ISO 14731.

Welche Unterlagen bereitliegen

Laut DVS ZERT gehören Schweißanweisungen, qualifizierte Schweißverfahren und die Qualifikationen der Schweißer und Bediener zu den vorzulegenden Unterlagen; das Schweißzertifikat nach EN 1090-1 nennt zusätzlich die verantwortliche Schweißaufsicht. Die Anwendung führt WPS nach ISO 15609-1 im geführten Editor, prüft die Deckung von WPS, WPQR und Schweißerqualifikation, hält Schweißerprüfungen nach ISO 9606-1 und -2 mit Fristen und führt das Register der Schweißaufsicht. Zu den Funktionen.

Häufige Fragen

Was ist ein Schweißzertifikat?

Im Stahl- und Aluminiumbau ist damit meist das Schweißzertifikat nach EN 1090-1, Anhang B, gemeint: ein Nachweis über den Schweißbetrieb, der im Rahmen der Zertifizierung der werkseigenen Produktionskontrolle ausgestellt wird. Es sollte nach Tabelle B.1 den Geltungsbereich und die anzuwendenden Normen, die Ausführungsklassen, die Schweißprozesse, die Grundwerkstoffe und die verantwortliche Schweißaufsicht enthalten.

Welche Schweißnachweise gibt es?

Zu unterscheiden sind Nachweise über den Betrieb und Nachweise über Personen. Betriebsnachweise sind das Schweißzertifikat nach EN 1090-1 für tragende Bauteile und das Zertifikat nach ISO 3834 über die Qualitätsanforderungen beim Schmelzschweißen. Personennachweise sind die Qualifikationen der Schweißer nach der Normenreihe ISO 9606 und die Benennung der verantwortlichen Schweißaufsicht, deren Aufgaben und Verantwortung ISO 14731 beschreibt.

Wann ist ein Schweißnachweis nach EN 1090 erforderlich?

EN 1090-1 regelt den Konformitätsnachweis von Stahlbauteilen, Aluminiumbauteilen und Bausätzen, die als Bauprodukte in Verkehr gebracht werden. Wird die werkseigene Produktionskontrolle eines Herstellers solcher Bauteile zertifiziert und wird dort geschweißt, gehört nach Tabelle B.1 die Prüfung dazu, ob Werk und Schweißbetrieb die Anforderungen an Einrichtungen und Personal erfüllen.

Was kostet ein Schweißzertifikat?

Die Kosten hängen von der Zertifizierungsstelle, vom Umfang der Prozesse und Werkstoffe und von der Betriebsgröße ab. Einen verbindlichen Betrag nennt die Zertifizierungsstelle im Angebot.

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